Shotglass' Chalkboard

Shotglass' Chalkboard

Exodus

Der ideale Platz zum kurzfristigen, kreativen Austoben. Geleitet von Matt.

Exodus

Beitragvon Matt Crewson » Di Jul 15, 2003 18:38

Es war einer dieser Tage. Tage an denen man besser nicht aufstehen sollte. Für ihn spielte das allerdings keine besonders große Rolle. Seit seiner Gefangennahme durch die konföderierten Truppen war ein Tag wie jeder andere: langweilig, da seine Zelle kein besonders aufregender Ort war. Er kannte mittlerweile die genauen Ausmaße des Raumes, die Risse in den Metallverstrebungen, die Anzahl der Schrauben, die Wachen mit ihren Lebensgeschichten und ja sogar die surrenden Töne der kaputten Deckenlampen hätte er wohl beschreiben können. Und das wo man doch eigentlich behauptet, dass man Geräusche selbst hören müsste.
Tage waren in einem solchen Etablissement äußerst lang. Sie bestanden aus aufwachen, warten, essen, warten und schlafen. Dazwischen lagen große Phasen des Wartens und an die Decke starren. Er fragte sich warum er sich hat fangen lassen. Es war keine Frage von Dummheit oder Zufall, sondern er wollte es. Das dumme war nur, dass er vergessen hatte warum er sich nicht zur Wehr setzen wollte. War es die Meldung der Truppen? Sie sagten, dass sie vom Außenposten Servalis kamen. Ab dann erledigte sich der Rest von selbst. David war erst Ende 30, aber dennoch fühlte er sich alt und vor allem alleine. Vielleicht war das der Grund, der ihn in diesen Sektor geführt hatte. Ihm waren die Konföderierten vollkommen egal. Die Strafe, die ihn erwarten würde, war irrelevant. Er selbst sah sich als eine Art Gentleman-Dieb. Ein Mensch, der für Geld - sei es viel oder auch wenig - Aufträge für diejenigen erledigte, die es brauchten. Da wurde schon einmal der eine oder andere Lebensmitteltransport überfallen und die Inhalte an Bedürftige verteilt. David schmunzelte als diese Gedanken durch seinen Kopf gingen. Man lügte sein ganzes Leben und allmählich schenkte er selbst diesen Phrasen Glauben. Natürlich war er kein edler Ritter oder eine Art zweiter Robin Hood. Er war ein Dieb und ein Verbrecher. Der Fakt, dass seine Kunden ab und an bedürftig waren, spielte keine Rolle zumal auch sie das Geld aufbringen mussten, um ihn zu bezahlen. Wenigstens hatte er noch kein Menschenleben auf dem Gewissen. Das würden sie ihm niemals anhängen können. Auf ihn wartete eine lebenslange Gefängnisstrafe, die er gerne bereit war abzusitzen, wenn er noch einmal sie sehen könnte. Der Rest war ihm egal. Sie war wichtig.
'Rachel' hauchte er leise und die Wache vor seiner Zelle schreckte kurz aus dem Schlummer auf, um direkt danach wieder in selbigem zu versinken. David lächelte und streckte sich. Dann setzte er sich auf die Pritsche und ließ sich nach hinten an die Wand gleiten bis sein Oberkörper flach auf dem Bett und sein Kinn auf der Brust ruhte.
'Was habe ich nur getan...' fragte er sich und damit kamen erneut die Selbstzweifel in ihm hoch.
"Wenn jede Seele jedes Lebewesens in der Galaxis in einem Strom fließt, dann würde es auch erklären, warum uns die Muradaner in ihrer Art so ähnlich sind - sie teilen dieselbe Herkunft."

- Kilrathi Kriegsherr Thort Dragath auf einer Pressekonferenz zur Eröffnung der ersten, gemeinsamen Siedlung von Kilrathis und Muradanern
Benutzeravatar
Matt Crewson
1st Lieutenant
1st Lieutenant
 
Beiträge: 1661
Registriert: Di Apr 01, 2003 11:17
Wohnort: Based at MSS Light of Murada

Beitragvon Tiger » Di Jul 22, 2003 14:32

Major Robert Milton leitender Chefarzt auf dem konföderierten Außenposten 492 blätterte gelangweilt durch den vor ihm liegenden Aktenordner. In welchem er die Krankengeschichte sämtlicher Crew-Mitglieder festgehalten hatte.
Dieses Papier war ein Relikt aus vergangenen Tagen, ... genau wie er. Robert war noch nie besonders fortschrittsgläubig gewesen aber in letzter Zeit fühlte er sich besonders alt. Sowohl was sein konservatives Meinungsbild anging wie auch was seinen körperlichen Zustand betraf. Mit 63 Jahren war er nicht mehr der Jüngste.
Er seufzte schwer, dann klappte er den Aktendeckel zu. Als dies besaß jetzt keine Bedeutung mehr. In 30 Tagen würde die alte Raumstation Servalis durch den Absturz in den Orbit, des Planeten welchen sie jetzt mehr als 40 Jahre umkreist hatte, verglühen. Die verbliebene Rumpfcrew würde mit Personentransportern zu anderen Planeten befördert werden. Dem konföderierten Senat war die Versorgung der abgelegenen Raumstation zu kostspielig geworden. Also wurde sie auf die Müllhalde geworfen. "Wie ein Berg von Weltraumschrott", dachte Milton verbittert. 20 lange Jahre hatte er hier gearbeitet und gelebt. Aber so etwas interessierte die "ehrenwerten" Senatoren natürlich nicht.
Nach dem Ende des Kilrathi-Krieges entsorgte die Konföderation alles was nicht niet und nagelfest war. Nicht das er es bedauerte das der Krieg vorbei war, ganz und gar nicht.
Aber sie hatten immer nur auf dieses eine Ziel hin gearbeitet. Nachdem sie es dann schlussendlich erreicht hatten waren sie orientierungslos stehen geblieben und hatten nicht mehr gewusst wohin. Die gesamte Wirtschaft war in ein tiefe Flaute gestürzt. Die 35 Jahre anhaltender Kampfhandlungen gegen die Kilrathi forderten ihren Tribut. Er fragte sich ob sich die Menschheit jemals wieder von den erfahrenen Rückschlag erholen würde.
Einst war er ein junger enthusiastischer Arzt gewesen. Aber diese Periode seines Lebens lag jetzt weit hinter ihm. Dafür hatte er zu viele schlimme Dinge gesehen. Er hatte im Krieg vielleicht nicht an der Front mitgekämpft. Aber er hatte die Verwundeten gepflegt und dabei grauenhaft entstellte Menschen gesehen. Es war furchtbar was moderne Waffen für ein Leid verursachen konnten. Milton war sich sicher, wenn die starsinnigen Politiker einmal selbst so etwas mit ihren Augen gesehen hätten, dann wäre es nicht zu diesem unsinnigen Krieg gekommen.
Ihn betraf das jetzt alles aber nicht mehr, seine Zeit war abgelaufen. Mit dem Ende der Raumstation würde auch er aus dem aktiven Dienst ausscheiden und sich in den vorzeitigen Ruhestand verabschieden. Was sollte er dann mit der ungewohnten Freiheit anfangen?
Er hatte Zeit seines Lebens nichts anderes gekannt als den Dienst als Mediziner beim Militär. Vielleicht sollte er wieder in sein Heimatsystem Perseus zurückkehren?
Aber nach zwei Jahrzehnten fühlte er sich hier im Locanda-Sektor zuhause. Ein guter Ort um den Lebensabend zu verbringen. Nach dem die Kilrathi von der Bildfläche verschwunden waren gab es hier keine ungewöhnlichen Vorfälle mehr. Nur eines hatte ihn aufhorchen lassen. Die Festnahme von David Argon. Ein Sektorweit bekannter Krimineller, welcher der Konföderation zum Trotz alles was es zu "verschicken" gab, geschmuggelt hatte. Aber das war nicht seine Aufgabe. So etwas fiel in die Zuständigkeit der TCN Marinestreitkräfte und oblag dadurch Colonel Hayez. Welcher die, dem Untergang preis gegebenen, Raumstation befehligte. Er schätze das man Argon einfach mit abtransportieren würde, um ihn vor einem richtigen Gericht den Prozess zu machen. Bis dahin durfte er in seiner Arrestzelle schmachten.
Milton warf einen letzten Blick auf seinen unaufgeräumten Schreibtisch dann wandte er sich zum gehen. Mit schlurfenden Schritten durchquerte er die Tür und verließ die Krankenstation.
Auf dem Gang bemerkte er zum wiederholten Mal die dämmrige Deckenbeleuchtung. Der Zusammenbruch der Energieversorgung dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Aber die ganzen behelfsmäßig vom Chefingenieur zusammen geschusterten Komponente mussten auch nur noch 30 Tage lang laufen. Auf dem Korridor begegnete er Crewman Sanders. Dieser grüßte ihn lax : "Hi Doc! Haben sie eigentlich schon mal daran gedacht eine Taschenlampe mitzunehmen? Nicht das irgendwann die Beleuchtung komplett ausfällt und sie stehen im Dunkeln." Ihm war nicht ganz klar ob das ein Scherz oder ein gutgemeinter Ratschlag war. Milton gab irgendeine austauschbare Antwort, dann trennten sich die beiden Männer wieder und der Chefarzt trotte weiter in seiner behäbigen Gangart den Korridor hinunter.
Schließlich erreichte er sein Quartier, das genauso unaufgeräumt war wie sei Arbeitsplatz. Bevor er sich schlafen legte wollte er noch seine Privat Messagnes abrufen. Milton aktivierte seinen Computer und wartete bis das System hochgefahren war. "Willkommen bei Etherservie" erschien schließlich auf dem Display. Er ging die Liste der eingetroffenen Nachrichten durch, doch bei einer wurde er stutzig. Sie war nicht an ihn sondern an Colonel Hayez adressiert.
"Wie war es zu dieser Verwechslung gekommen?", fragte er sich. Ein elektronischer Defekt vielleicht? Zufall, aber die Station fiel nun einmal auseinander. Aus reiner Neugier öffnete er die Mail.
Das erste was ihm auffiel war, dass es sich bei der Mitteilung anscheinend um ein geheimes Kommunique handelte. Das hielt Milton aber nicht davon ab weiterzulesen. Hier draußen fingen nach einiger Zeit die bürokratischen Regeln an überflüssig zu werden. Er setzte die Lektüre mit umso größerem Interesse fort.
Nach dem er mit dem Lesen fertig war blieb Milton erschüttert sitzen. Das Kommunique enthielt den Befehl an den direkten Untergebenen von Colonel Hayez den Häftling David Argon bei der Evakuierung nicht mitzunehmen. Sondern absichtlich zu "vergessen".
Das war ein Todesurteil! Diese Station würde in wenigen Wochen in der Atmosphäre von Locanda 3 verglühen. "Was für ein Motiv könnte Hayez haben so einen Mord zu planen?", überlegte Milton.
Er war nicht länger betroffen sondern freute sich viel mehr darüber vor ein logisches Problem gestellt worden zu sein. Bevor das Kapitel "Servalis" beendet war gab es noch etwas zu tun für ihn.
"No one is left behind"
Benutzeravatar
Tiger
2nd Lieutenant
2nd Lieutenant
 
Beiträge: 866
Registriert: So Jan 19, 2003 19:34
Wohnort: Sol-Sektor (Erde)

Beitragvon The Phantom II. » Sa Sep 27, 2003 13:49

Montgomery Hayez, vom Rang her Colonel und Kommandant des Aussenpostens, lief wie er es schon seit Dienstantritt gewohnt war seine tägliche Runde durch die Station. Doch heute war es wohl eine seiner letzten Runden. Nur noch wenige Wochen und auch er würde diese, seine jahrelange Heimat, verlassen müssen.
Mit der Hand streifte er über die metallische Oberfläche der Korridorwand. Ein metallisches Quitschen durchhallte die Gänge, ein weiteres Anzeichen für das Lebensende dieser Konstruktion. Zwei Drittel waren bereits unbewohnbar geworden durch irreparable Hüllenbrüche. Die Minimalbesatzung, welche noch in den restlichen Quartieren verweilt und letzte Räumungsarbeiten und Vorkehrungen traf für das endgültige Ende, hielt die Station noch bis zum Eintreffen des letzten Transporters am Leben.

Beim Rundgang durch kam Hayez am Quartier von Rachel Forrester vorbei. Vor der Tür verweilte er einen Augenblick und laß die bereits schon sehr unkenntlichen Buchstaben langsam, dabei entspannte sich sein Gesichtsausdruck ein wenig und sein Blick wanderte zu den Sternen, wo die Sonne des Systems gerade über den Horizont der Planetenoberfläche brach. Mit einem kleinen Lächeln betätigte er die Klingel am Quartier des Lieutnant. Kurz darauf öffnete sich die Türe und seine Geliebte stand ihm lächelnd gegenüber.
Benutzeravatar
The Phantom II.
Captain
Captain
 
Beiträge: 2958
Registriert: Fr Jan 17, 2003 20:52


Zurück zu Wing Commander Short Stories

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron